Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus

"Aber insgesamt macht mich IPuP eher ratlos. Weil es ist zu ernst für Satire, zu verspielt für Politik und zu propagandistisch für Philosophie."

Monat: Januar, 2013

Zur ausbleibenden Abschaffung der Arbeit durch den Fortschritt…. (extensive sausage makers)

“  Wenn also die kapitalistische Anwendung der Maschinerie einerseits neue mächtige Motive zur maßlosen Verlängrung des Arbeitstags schafft und die Arbeitsweise selbst wie den Charakter des gesellschaftlichen Arbeitskörpers in einer Art umwälzt, die den Widerstand gegen diese Tendenz bricht, produziert sie andrerseits, teils durch Einstellung dem Kapital früher unzugänglicher Schichten der Arbeiterklasse, teils durch Freisetzung der von der Maschine verdrängten Arbeiter, eine überflüssige Arbeiterpopulation, die sich das Gesetz vom Kapital diktieren lassen muß. Daher das merkwürdige Phänomen in der Geschichte der modernen Industrie, daß die Maschine alle sittlichen und natürlichen Schranken des Arbeitstags über den Haufen wirft. Daher das ökonomische Paradoxon, daß das gewaltigste Mittel zur Verkürzung der Arbeitszeit in das unfehlbarste Mittel umschlägt, alle Lebenszeit des Arbeiters und seiner Familie in disponible Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals zu verwandeln. »Wenn«, träumte Aristoteles, der größte Denker des Altertums,

»wenn jedes Werkzeug auf Geheiß, oder auch vorausahnend, das ihm zukommende Werk verrichten könnte, wie des Dädalus Kunstwerke sich von selbst bewegten oder die Dreifüße des Hephästos aus eignem Antrieb an die heilige Arbeit gingen, wenn so die Weberschiffe von selbst webten, so bedürfte es weder für den Werkmeister der Gehilfen noch für die Herrn der Sklaven

Und Antipatros, ein griechischer Dichter aus der Zeit des Cicero, begrüßte die Erfindung der Wassermühle zum Mahlen des Getreides, diese Elementarform aller produktiven Maschinerie, als Befreierin der Sklavinnen und Herstellerin des goldnen Zeitalters! »Die Heiden, ja die Heiden!« Sie begriffen, wie der gescheite Bastiat entdeckt hat, und schon vor ihm der noch klügre MacCulloch, nichts von politischer Ökonomie und Christentum. Sie begriffen u.a. nicht, daß die Maschine das probateste Mittel zur Verlängerung des Arbeitstags ist. Sie entschuldigten etwa die Sklaverei des einen als Mittel zur vollen menschlichen Entwicklung des andren. Aber Sklaverei der Massen predigen, um einige rohe oder halbgebildete Parvenüs zu »eminent Spinners«, »extensive sausage makers« und »influential shoe black dealers« zu machen, dazu fehlte ihnen das spezifisch christliche Organ.“
(vgl. MEW Bd. 23, 425-431, Verlängrung des Arbeitstags)

Ja, wenn wir nicht so faul wären, könnten wir es zusammenfassen und den komplizierten Anfangsteil zur Mehrwertproduktion am Anfang erläutern…. aber das lieber ein andernmal.

Schon wieder neues aus der Forschungsgruppe Faulheit

… die langsam aber sicher zur aktivsten Forschungsgruppe wird.

arbeit_eichhorn_pelewin

aus: Viktor Pelewin, Das fünfte Imperium

(der wohl beste antikapitalistische Vampirroman der Welt, evtl. auch der einzige)

Neues aus der Forschungsgruppe Faulheit

Neues Fundstück:

„Ebenso wenig wie die Geistesenergie ist nun aber beim vorkapitalistischen Wirtschaftsmenschen die Willensenergie entwickelt. Das äußert sich in dem langsamen Tempo der wirtschaftlichen Tätigkeit. Vor allem und zunächst sucht man sie sich so viel als irgend möglich vom Leibe zu halten. Wo man „feiern“ kann, tut man es. Man hat zur wirtschaftlichen Tätigkeit seelisch etwa dieselben Beziehungen wie das Kind zum Schulunterricht, dem es sich gewiß nicht unterzieht, wenn es nicht muß. Keine Spur von einer Liebe zur Wirtschaft oder zur wirtschaftlichen Arbeit. Diese Grundstimmung können wir ohne weiteres aus der bekannten Tatsache ableiten, daß in aller vorkapitalistischen Zeit die Zahl der Feiertage im Jahre enorm groß war. Eine hübsche Übersicht über die zahlreichen Feiertage im bayrischen Bergbau noch während des 16. Jahrhunderts gibt H. Peetz [Fußnote 1: H. Peetz, Volkswissenschaftliche Studien (1885), 186ff.] Danach waren in verschiedenen Fällen:

von 203 Tagen . . . 123 Feiertage

von 161 Tagen . . . 99 Feiertage

von 287 Tagen . . . 193 Feiertage

von 366 Tagen . . . 260 Feiertage

von 366 Tagen . . . 263 Feiertage

 

Und bei der Arbeit selbst eilt man sich nicht.“

Wir sind noch auf der Suche nach der Praxis, die solch fantastische Ergebnisse erzielt hat…