Zum Feminisimus – Aus der internen IPUP-Korrespondenz

mahlzeit liebes ipup,

einigen von uns ist es schon bekannt und für alle, die noch nicht davon
gehört haben: die uni leibzig hat sich von uns inspirieren lassen (von
wem sonst) und verleiht in zukunft akademische titel in grammatikalisch
weiblicher form! ipup ist trend setter, wer hätte das gedacht?

zu informationszwecken, hier gleich ein artikel aus der süddeutschen
(inkl. weiteren links zum thema):
http://www.sueddeutsche.de/bildung/streit-um-herr-professorin-wie-man-empoerungsventile-oeffnet-1.1689610

einen kommentar zu dem durchaus bemerkenswerten stufenmodell sozialer
bewegungen möchte ich mir an dieser stelle verkneifen und gleich zu der
überraschend tiefen einsicht des autors kommen. das ‚eigentliche‘
Problem hinter gleichberechtigungs- und emanzipationsdebatten ist: die
wirtschaftliche (!) gleichstellung der geschlechter! ich für meinen teil
bin sehr beruhig, dass die rollenbilder, nach denen wir unsere
geschlechtlichkeit sozial organisieren und inszinieren, in wirklichkeit
gar kein problem (mehr) sind. denn in wirklichkleit geht es darum,
signifikante unterschiede in der entlohnung zu beseitigen und die
vereinbarkeit von familie und karriere zu gewährleistet. und da
spätestens seit der brüderle-affäre vor einigen wochen auch dem letzten
klar geworden sein sollte, dass unaufgeforderte kleidungsempfehlungen,
bei denen die brüste der werten dame(n) eine entscheidene rolle spielen,
als sexuelle belästung bzw. sexistisch gelten, gibt es an dieser front
keine kriegswichtige schlacht mehr zu schlagen.
das geld (der frauen) und die sexuelle aufdringlichkeit (der männer)
waren schon immer die ganz großen fragen der emanzipationsbewegung. auf
die zweite sollten in folge der medialen schlacht vor eingien wochen nur
noch hill billies keine antwort geben können und um die andere wird
unter den topoi ‚frauenqoute‘ und ‚work-life-balance‘ oder, in bezug auf
das thema gewendet, die vereinbarkeit von gesellschaftlichen
reproduktionsverpflichtungen (gemessen in kindern) und beruflichem
erfolg (gemessen in geld) verhandelt. es ist offensichtlich, wenn mutti
für ihre arbeit erst einmal das gleiche gehalt wie ihre männliche
kollegen bekommt und sich zudem keine sorgen mehr darüber zu machen
braucht, ob ihr streben nach beruflichem erfolg ihre heiligen
mutterpflichten gegenüber ihren kindern verletzt, dann und vor allem
dann gibt es zwischen den geschlechtern keinerlei streitigkeiten mehr.
väter nähmen ohne zu zögern ihren anspruch auf elternzeit wahr, schwule
fussballer wären keine provokation für die habitus performance
männlicher fans, mario barth gingen schlagartig die pointen aus und sex
and the city böte keinerlei identifizierungspotential mehr – paradiesisch.
es ist alles so herrlich einfach, wenn wir nur die wichtigen probleme
entschieden anpacken und endlich mit den dämlichen ideologisch geführten
debatten aufhören.

mit neuem männlichen selbstverständnis,
prof. mEIER – lehrstuhl für gerechtfertige arroganz und unterbestimmte
theorien