Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus

"Aber insgesamt macht mich IPuP eher ratlos. Weil es ist zu ernst für Satire, zu verspielt für Politik und zu propagandistisch für Philosophie."

Monat: August, 2013

Wie ich das postmoderne Kunstwerk zufällig in der Leipziger Innenstadt fand…

Bevor ich mit der Entwicklung der zentralen Gedanken meines Vortrags beginne, einige kurze Vorbemerkungen: Ich werden Begriff des Kunstwerkes für diesen Vortrag in einer erweiterten Fassung benutzen, die nicht allein die Ergebnisse Bildender Künste, also Malerei, Skulptur, Architektur u.ä., sondern auch die Aufführungen darstellender Künste wie Theater und Performance umfasst. Außerdem werde ich davon aus gehen, dass ein Kunstwerk etwas ist, dass als künstliche Verdichtung eines bestimmten Themas oder einer bestimmten Problematik angesehen werden kann. Ein postmodernes Kunstwerk in diesem Sinne ist eines, dass die spezifische Problematik der Postmoderne auf ästhetische Art und Weise ausdrückt.

 Als erstes werde ich das während meines Praktikums auf dem Nachhauseweg in der Leizpiger Innenstadt entdeckte Kunstwerk beschreiben. Ich werde es zunächst in seiner reinsten Oberflächlichkeit beschreiben, d.h. mich auf das wahrnehmbare Material und die wahrnehmbaren Aktionen beschränken. Anschließend möchte ich einen kurzen Einblick in Problem und Begriff der Postmoderne geben um als letztes aufzuzeigen, warum das von mir beschriebene Kunstwerk als geradezu idealtypisches Kunstwerk der Postmoderne verstanden werden kann.

 Es geht mir dabei nicht darum zu beweisen, dass es bei dem von mir beobachtetem Phänomen um postmoderne Kunst, oder um Kunst überhaupt handelt, sondern ich möchte von einem konkreten Erlebnis das ich mit einem kunsttheoretischem Blick betrachte, zu einem Konzept gelangen, dass einige zentrale Aspekte postmoderner Ästhetik und damit auch postmodernen Denkens deutlich macht.

 Nach all diesem einleitenden, methodischem Gequatsche kommen wir jetzt endlich zur Sache. Den Rest des Beitrags lesen »

Donnerstag

Donnerstag ist Reisetag. Und der Tag des großen Wiedersehens, ein Wiedersehen mit Professorin 1000, auf den wir auf halben Weg zwischen Leipzig und Witzenhausen treffen wollen. Die Kommunikation mit der heiß und innig erwarteten Professorin ist lückenhaft, außerdem muss eine ausführliche Sexismus-Debatte geführt werden. Aber all das wird bewältigt und sich auf die Reise begeben.

Das Ziel heißt Nordhausen. Niemand im Institut war ein solcher Ort bekannt. Die Karte wusste jedoch Bescheid und wies uns meisterlich den Weg. Als wir uns weit genug ins gefühlte Zentrum dieser doch erstaunlich ‚bergigen‘ (für Bremer Verhältnisse) Stadt vorgewagt hatten, wurde uns schlagartig klar, dass wir eine geheime Verbindung zu Nordhausen besitzen. Zwei riesige Schnapsflaschen, die über der Nordhäuser Kornbrennerei wie Zwillingsphallussymbole hervorragten verrieten es uns.

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Damit wir nicht hungrig der Ankunft unserer heißbegehrten Professorin harren mussten, wurde in der Kornstadt ein chinesisches Restaurant gesucht, auch gefunden und sich am dortigen, üppigen Buffet gelabt. Und auch Professorin 1000 konnte irgendwann glücklich zu uns stoßen.

Auf den wiedervereinigten Rückweg zum ’sehr blauen‘ (so die Antwort eines Institutsmitglieds auf die Frage der ADAC-Hotline-Dame welche Farbe denn der Wagn hätte, besagtes Mitglied hat damit sowas von Recht, befand das Institut später. Es ist ein wirklich erstaunlich blauer Bus) Gefährt wurde noch ein spannendes Schild entdeckt, welches von der Institutsleitung sogleich zum ‚deutschesten Schild der Welt‘ gekührt wurde.

Deutschland in drei Begriffen - mehr auf den Punkt geht es nicht.

Deutschland in drei Begriffen – mehr auf den Punkt geht es nicht.

Nach dieser Entdeckung wurde ausgiebig Pause am Bus gemacht, ist ja auch anstrengend, so eine Stadt mit Höhenunterschieden, macht auch ganz wirr im Kopf.

Die Nacht wurde in einem befreundeten Hippiehaus auf dem Land verbracht. Mit Kindern und Hunden und Bier. Und wo Hunde und Bier sind, da liegt auch gerne Punkrock in der Luft, solang die Hunde zottelig und das Bier günstig ist, beides war gegeben. Und irgendwie punkrockige Landhippies zu sein, das schafft nicht jeder. Respekt. (dafür.)

Mittwoch

Der Auftritt im Späti ‚Zu Spät‘ steht an. Gegen Nachmittag wird dort einmal vorbeigeschaut, um die Lage zu Checken, in jeder erdenklichen Form (Räume, Klang, erwartbares Publikum in Quantität und Qualität. Dabei fällt als erstes auf: der Laden hat noch eine weitere Nutzung. Es ist auch ein veganes Bistro. In den wir frei essen und trinken dürfen. Auch ein sympathischer, extrem muskulöser, kleiner Hund ist da, um uns zu erfreuen. Bresagter Hund verfügt über eine drollige Eigenschaft, die auch wir kennen lernen sollen. Er folgt jedem in schwarzer Kleidung, das Tier scheint wohl gelernt zu haben, dass schwarz angezogene Menschen vertrauenswürdig sind und dazugehören. Es erfordert mehrmaliges Hundzurückbringen von Professorin Happeh, bevor wir hundefrei unseren Heimweg antreten können.

Währenddessen schlägt sich der Rest des Instituts mit unserem kleinen Naßhornpanzerkätzchen und dem ADAC herum. Es wird dies und das ausprobiert, an verschiedenen interessanten Stellen geklopft und irgendwann läuft der Wagen wieder, ohne das spezielle Fehlerquellen gefunden wurden. Uns ist’s recht.

Vielleicht ist es sinnvoll an dieser Stelle einen kleinen Exkurs zu wagen, bezüglich des etwas seltsamen Busnamens: Naßhornpanzerkätzchen. Zuerst war da das Naßhorn, denn der Wagen wirkt ebenso lebendig, wie er panzerhafte Züge trägt (bei normalen Autos hört man nach kräftigem Türenschlagen häufig den Satz ‚Das ist kein Panzer‘, beim blauen Bus sind diese Verhältnisse auf den Kopf gestellt). Das Gefühl es mit einem lebendigen Wesen zu tun zu haben, entsteht wohl durch die Macken und Funktionsstörungen des Wagens, wie auch durch seine blubbernden, spuckenden, quietschenden Geräusche, er besitzt Charakter, was Charakter besitzt, das lebt. Man fühlt sich an Heiner Müller, Beuys und den Coyoten erinnert. Heiner Müller sprach mal über Schauspieler und Texte. Und das man noch nicht begonnen hätte, mit Text richtig umzugehen, sondern ihn nur verwalten würde. Als Illustration dieser Idee erwähnt er eine Performance von Beuys, in der dieser in den Käfig eines Coyoten geht, dort versucht mit diesem einen Umgang, ein Verhältnis zu finden. So, sagt Müller, muss das Theater mit Texten arbeiten, als seien sie lebendige und nie ganz ungefährliche Tiere. Und so, sagt das IPuP, muss man auch mit unserem Wagen umgehen, als sei man Joseph Beuys, der auf einen Coyoten trifft. Deshalb ist der Wagen lebendig und ein Panzer, und ein lebendiger Panzer ist immer noch ein Naßhorn.

Das Kätzchen ist viel schneller erklärt: er schnurrt, wenn er gut in Fahrt ist. Es gibt einen Punkt, da hört die Tachonadel auf in einem Bereich von ca. 10 km/h herumzuspringen, wird ruhig, das Motorengeräusch entspannt sich, der eigene Fuß liegt locker auf dem Gas und die deutsche Autobahn wird mit 80-85km/h ein wenig lächerlich gemacht.

Der Panzer hat sich irgendwie wieder in den Namen geschlichen, obwohl er im Naßhorn doch schon enthalten ist, nach Ansicht der Geschäftsführung. Da das IPuP aber seine Adenauerphase schon lange hinter sich gelassen hat, auch Erhardt und eine kleine faschistische Kiesingerphase durchlaufen wurden (in der es bedauerlicherweise nicht zu Ohrfeigen kam), sind wir nun im goldenen Brandtschen Zeitalter angekommen und können mehr Demokratie wagen. Kniefall und Notstandsgesetze sind übrigens noch offen.

Außerdem wurde bezüglich des Panzernamens angeführt, dass es gute deutsche Militärtradition sei, den Panzern Tiernamen zu geben (wie das psychologisch zu begründen ist – das überlassen wir getrost den Psychoanalytikern). Also können wir Tiere auch Panzer nennen, so der nicht ganz lupenreine, aber demokratisch abgesicherte, Schluss. Exkurs Ende.

 

Gegen 19h geht es zurück zum veganen Bistro/Späti/Veranstaltungsort. Wir sind für 20h angekündigt, gedenken gegen 21h zu starten und haben somit noch zeit die veganen Fastfoodmenüs zu probieren. Es werden Schnitzel und Currywürste geordert und dann mit Genuss verschlungen. Gutes Bistro. Auch die Bier- und Limonadenauswahl in der Spätiabteilung gewinnt schnell Freunde und lässt keine Wünsche offen, selbst das vom Sekretariat so geliebte Ostdeutsche Kirsch-Porter ist zu haben. Und es wird voll vor der Tür. Überraschend voll. Das Institut hat Angst, dass die alle zum Auftritt kommen wollen. Die Angst ist unbegründet, etwa die Hälfte der vor der Tür wartenden ist wegen uns gekommen, die andere Hälfte kommt wegen Bier und Essen. Der Auftrittsraum ist nun gut gefüllt, der Schnaps wird unters Leipziger Volk gebracht und ein flotter Auftritt wird aufs Parkett gelegt. Alle haben Spaß, es wird eine weitere Flasche Korn besorgt. Nach dem Auftritt gibt’s auf Publikumswunsch noch eine Diskussionsrunde und weil Brandt (siehe oben) und Schnaps und gute Laune regiert, wird diesem sogar stattgegeben. Irgendwie wird noch eine Flasche Pferfferminzschnaps (‚Pfeffi‘) besorgt. Als sich das Institut später auf den Nachhauseweg begibt, kann es vor der Tür noch ein paar kleine Grüppchen bemerken, die sich eifrig über die Vortragsthemen austauschen. Das Institut ist glücklich, denn genau das soll mit der Vortragerei doch erreicht werden: Gute Fragen in die Köpfe der Zuhörer bringen, keine Antworten, die müssen selbst überlegt werden. Problembewusstsein schaffen, könnte man sagen, wenn man sich vor sich selbst ekeln möchte. Keine Antworten geben, nur Fragen in Köpfe/Körper bringen ist etwas weniger eklig formuliert, jedoch noch immer nicht wirklich schön. Wer eine schönere Formulierung findet, der schreibe sie an ipup@gmx.net, Betreff: ’schöne Formulierung‘, und gewinne (bei wohlgefallen) ein IpuP-Merchandise-Set.

Dienstag

Der Tag beginnt mit Freizeit. Das Institut ist müde. Sekretariat und Geschäftsführung entschließen sich zum touristischen Programm, das Management zieht es ins Internetkaffee und der Rest will schattige Ecken zum lesen suchen.

Am Nachmittag geht es auf zum Auftrittsort – und der Wagen springt schon wieder nicht an. Gut, wie in Berlin werden die nötigsten Dinge gepackt und der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt. Unser heutiger Auftrittsort, Dr. Seltsam, ist eine Kneipe und eine Fahrradselbsthilfewerkstatt. Leipzig scheint gut in Mehrfachnutzung zu sein, im privaten Wohnbereich wie auch im eher öffentlichen Leben. Irgendwie Sympathisch, effektiv und exotisch zugleich. Nette Menschen dort, die ein Grillfest veranstalten, an welchem wir natürlich gern partizipieren.

 

Der Auftritt läuft gut, wir spielen gegen mannigfaltige Hindernisse an, und sind dementsprechend zufrieden mit uns. Im Vorraum (ohne Zwischentür) ist normaler Kneipenbetriebe und direkt über den Vortragenden ist eine doch ziemlich laute Lüftung angebracht. Aber es macht Spaß, das Publikum ist gleichermaßen betrunken wie interessiert, so soll es sein. Leipzig und das IPuP können glücklich miteinander werden. Erfreulich, erfreulich. Morgen Abend geht es weiter, diesmal im Leipziger Osten, im Späti ‚Zu Spät‘, wieder exotische Doppelnutzung. Aber auch verdammt effektiv: das Bier einfach direkt im Späti trinken, anstatt es ins Haus, Parks, o.ä. zu tragen, um es erst dort in die runden Bäuche zu überführen.

Montag

Wir haben es tatsächlich geschafft der Hauptstadt zu entrinnen. Dank an den ADAC dafür. Denn ein Mann im gelben Anzug kam uns zur Hilfe, nahm interessanterweise einen Hammer in die Hand, klopfte an verschiedenen Stellen (Motor, unter dem Reifen, warum auch immer), legte sich unter den Wagen und rief dann aus ‚Zündschloss‘. Weiter nichts. Das Institut tauschte verwirrte Blicke und Schulterzucken, keiner wusste Anschlusskommunikation hervorzubringen. Da rief der gelbe Mann ein weiteres Mal ‚Zündschloss!… Zündschloss!‘, kroch unter dem Wagen hervor und eilte in Richtung desselben, drehte den Schlüssel darin herum, nickte und erklärte uns, dass lediglich der Federmechanismus des Zündschlosses kaputt sei. Dann begann er Kabel anzuschauen, murmelte ein kurzes ‚warum nicht‘ in seinen Dreitagebart, schnitt ein Kabel durch, hielt es an irgendwas und der Wagen sprang an. Wir bekamen die Aufgabe noch einen Tastschalter anbringen, damit wir den Wagen mit Knopfdruck, statt mit Kabelzeug starten können. Jetzt haben wir eine Klingel angebaut, es gibt zwar kein freundliches Ding-Dong, wenn diese gedrückt wird, aber ein überaus erfreuliches Motorentuckern.

So konnten wir die große, böse Stadt Schlussendlich verlassen, entspannt mit 80 km/h auf die Autobahn nach Leipzig, das Wetter ist gut, die Launen gleichen sich diesem an und elektronische Musik schafft Untermalung (zu nichts eignet sich Elektro besser, als wenn man Musik hören möchte, ohne Musik zu hören, Elektro ist die natural born Klangtapete. Danke, Elektro). Die Strecke ist noch vor Einbruch der Dunkelheit geschafft, man überlegt kurz nach Dresden weiterzufahren, einfach nur des Fahrens wegen. Da aber Leipzig eine so liebliche Stadt ist und mindestens einen großen Fan im Institut besitzt (und zufällig grad den Wagen fährt), wird von dieser Idee schnell wieder Abstand genommen.

Angekommen in Leipzig dürfen wir das beste Zimmer der Welt beziehen. Es ist Punkrock und anarchistisch, bunt und vielfältig. Dabei zugleich aufgeräumt und systematisch durchdacht. Was dazu führt, dass es sich nicht nur um ein Zimmer, sondern um eine geräumige Wohnung, untergebracht in nur einem Zimmer, handelt. Es gibt ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer, eine Bibliothek, eine Werkstatt, ein Ankleidezimmer, ein Nähzimmer und ist zugleich so eine Art Kunstgalerie. Aber nichts wirkt zu eng, für alles und alle ist Platz. Teile des Instituts überlegen, mal zwei Wochen Urlaub nur in diesem Raum machen zu wollen.

 

Sonntag

Anmerkung: Es ist Montagmorgen, während ich auf einem Balkon zur Sonnenallee sitze und versuche die gestrigen Geschehnisse zusammenzufassen. Es ist viel passiert, weniges davon lässt sich als gut bezeichnen.

Die Stimmung zwischen den Institutsmitgliedern lässt sich nach einer Woche Tour nicht anders als mit dem Begriff ‚angespannt‘ beschreiben. Alle sind müde, schmutzig (die Großtstadt hat in allem mehr zu bieten, auch bezüglich Dreck, herzlichen Glückwunsch, Großstadt), trotzdem muss der Auftritt geplant werden. Danach ist es auch schon längst Zeit aufzubrechen, also werden die verstreuten Sachen zusammengesucht, das Institut auf Vollständigkeit geprüft und der Weg zum Wagen angetreten. Und, wie könnte es anders sein, das liebe Ding geht nicht an. Macht keinen Mucks. Es wird eifrig nach Wackelkontakten im Zündkerzenbereich gefahndet, dies entlockt dem Wagen ein erfreuliches Geräusch, man möchte von einem kurzen Schnurren sprechen. Danach versiegt es aber sogleich wieder, um in den bekannten insichruhenden Zustand zurückzufallen. Mist. Notfallpläne werden erdacht, dh. Los zu Fuß, Auftritt durchziehen, morgen um den Wagen kümmern. Der Chef unseres Auftrittsortes, mit dem wir uns vorher treffen wollten, damit nicht nur eine Barkeeperin bescheid weiß, die gestern, jedoch nicht heute arbeitet, ist nicht zu erreichen. Wir zu spät dran, um ihm noch zu begegnen. Mist. Erwartungsgemäß weiß dann natürlich in der Kneipe niemand bescheid, wir werden trotzdem herzlich willkommen geheißen und beziehen Stellung im Raucherraum. Trotz viralem Marketing wollen sich die Großstadtmassen nicht so recht einstellen, aber immerhin konnten wir uns mittlerweile Freigetränke ergattern. Der Auftritt selbst verläuft jedoch gut, alle scheinen nun in unserem Vortrag/LecturePerformance drin zu sein, wir sind eingespielt und energiegeladen, mit unseren prallen provinziellen Körpern.

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… aber nun ist Montag. Und der Wagen noch immer nicht funktionsfähig. Irgendwie müssen wir heut nach Leipzig kommen. Morgen und Übermorgen erwarten uns Auftritte in dieser wunderbaren Stadt, die wohl zurecht als heutigen Berlin-der-90er gilt.

Das wahrscheinlichst böseste waren die Kaffeetassen, in welchen der ansonsten sehr leckere Kaffee gereicht wird. Das Sekretariat vermutet, dass sich nirgens eine krassere bessere-welt-tassen finden lassen wird. (Falls ihr es noch nciht tut, dann unterscheidet ab heute doch bitte zwischen Menschen, die eine bessere Welt wollen und Denjenigen, welche ihre Forderung lediglich auf eine bessere Gesellschaft beziehen. Bionade ist beispielsweise ‚das offizielle Getränk einer besseren Welt‘, mehr muss dazu wohl nciht gesagt werden.

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Samstag

Heute hat der größere Teil des Instituts frei. Nur das Management muss ran, uns einen Auftrittsort besorgen. Außerdem hat die Geschäftsführung schlecht gepackt, tausend Oberteile, aber Untenrum nur eine Bekleidungsmöglichkeit. Prof. Essionell schlägt eine Lösung namens Sachsensmoking vor, das Sekretariat zeigt sich jedoch unbegeistert, handelt es sich hierbei doch um einen Ausdruck für Oberbekleidung, welche Ohne Unterteil getragen wird. Donald Duck trug Sachsensmoking, Winnie Poo auch. Jogi Bär hingegen nicht, denn nur Krawatte ist ein anderer Look. Welcher von beiden gewagter ist, konnte insitutsintern bisher nicht geklärt werden.

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Schnell – dank kompetentem Management – klärt sich die Auftrittsfrage, das BarCafe Froillein Langner möchte uns gern beherbergen. Etwas verstörend für paranoide Gehirne ist die Badewanne, die in diesem Etablissement auf uns wartet, gab es doch schon auf dem Bauwagenplatz Badewannen. Welche geheime Macht steckt dahinter, uns ständig an Orte zu schicken, zu denen Badewannen unpassend erscheinen, aber trotzdem immer da sind?

Will uns doch irgendjemand dazu bringen, doch auf den PeterWeissZug aufzuspringen und Marat/de Sade zu lesen?

Sonntag Abend Berlin!!!

Liebe Berliner, liebe zufällig dort Anwesende,

morgen Abend wird euer aller Lieblingsinstitut live in der Hauptstadt zu sehen sein, ab 20h im Froillein Langner in Neukölln, mit dem modernen Klassiker ‚Garring Lolo und der Superpolizist – eine Kritik der Verliebtheit‘.

Kommt zahlreich, ladet eure Freunde ein.

http://www.frollein-langner.de/

Freitag

Freitagmorgen: Heute ist einer unserer Reisetage. Beginnen tut er gut, die Geschäftsleitung liegt gemeinsam mit dem Sekretariat auf einem großen Trampolin, trinkt Kaffee und diktiert und schreibt zugleich, eine fast symbiotisch zu nennendes Verhältnis hat sich zwischen den Genannten entwickelt, Telepathie stellt kein Problem dar. Dieser Ort, so sind Herrschende und Beherrschte einig, kommt dem Paradies gleich. So muss richtiger Kommunismus sein (nur vll. besser organisiert, aufgeräumter; in der Bewertung dieser Idee sind Geschäftsführung und Sekretariat geteilter Meinung, scheint ein Klassenunterschied zu sein).

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Freitagnachmittag: Die Zustände haben ihren paradisischen Charakter verloren, wir stehen auf der Autobahn, schon im zweiten Stau. Uns kommt in den Sinn die letzte IpuP-Reise nach Berlin, wie unser Fahrer bemerkte, dass Kapitalismus nicht einfach aufhören würde, wenn man ins Auto steigt. Später verglich er noch Jesus und Deutschland, ich kann mich jedoch nicht daran erinnern zu wessen Gunsten dieser Vergleich ausgefallen ist.

Freitagabend: Gegen 22h sind wir tatsächlich in der Hauptstadt. Das Fahrerteam (Professorin mEIER am Lenkrad, Professorin Kemp an den Karten) wird für gute Wegfindungsskills gelobt. Beim aussteigen wird die lehrreiche, doch bittere Erfahrung gemacht, dass ein Stück Butter nicht, ich wiederhole: nicht!, in warmen Bussen durch Republiken kutschiert werden sollte (andere Staatsformen müssen leider diesbezüglich als unerforscht gelten). Der größte Teil des Bodens verfügt nun über eine üppige Butterglasur. Aber nun wird erst einmal die Berliner IPuPFraktion in diverse Arme geschlossen, ein wiedersehen voller Liebe mit Professorin Essionell. Später stellt sich noch heraus, dass noch immer kein Auftritt feststeht, man beschließt den Abend trotzdem entspannt bei Bier und Deutschpunk (sehr empfehlenswert: Mühlheim Asozial) zu beenden. Der Rest wird sich bestimmt durch heldenhaften Einsatz des geliebten (weil so fähigem) Management ergeben, so hofft man auf allen institutionellen Ebenen.

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Donnerstag

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Vormittags wird geprobt, Professorin Heppeh mausert sich von der Zitiermaschine zum Regisseur, der Rest des Instituts ist angetan, Probe verläuft unkoordiniert, aber durchaus Erfolgreich.

Beim aufbauen der Dekoration fällt eines auf: nichts fällt auf! Zum allerersten Mal sind wir an einem Ort, an dem unser Rednertisch nicht wie ein Fremdkörper wirkt. Außerdem ist durch die Anwesenheit diverser Sitzgruppen und Hollywoodschaukeln ein wohnzimmerhaftes Ambiente gegeben, das an die Anfangszeiten zurückerinnert.

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Und auch das Publikum erinnert uns, von der Verhaltensseite aus betrachtet, an die Anfangszeit. Denn es ist ein ernsthaftes Publikum, es ist ein Publikum das denkt ‚aha, da kommt jetzt Theorie/Performance, das ist was seriöses, da muss ich konzentriert dasitzen‘, oder so ähnlich. So war das beim ersten Auftritt auch, als wir Bücher austeilten, mit denen man uns bewerfen sollte, und das Publikum begann darin zu lesen… Wie viel Mühe es uns kostete, die Leute zum Trinken und Spaß haben zu bekommen… und dann, irgendwann, hatten sie es Verstanden. Was natürlich vor allem dazu führte, dass das Bremer Publikum hauptsächlich noch zum Saufen kam und gar nicht mehr zuhören wollte. Dies war in Hildesheim anders, dies war angenehm und irritierend, schließlich haben wir uns etwas weniger Party antrainiert und müssen uns nun ein wenig die eigefahrenen Gewohnheiten ändern. Oder zumindest mit solcherlei Reaktionen rechnen, die übliche leichte Aufgabe: mit dem unberechenbaren rechnen? (Um mal den Pathos unter dem Bett hervorzuziehen). Weil uns einfach keiner kennt, keiner weiß wie unser Zeug einzuordnen ist. Gut so, denn so genau wissen wir das ja Selber nicht.