Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus

"Aber insgesamt macht mich IPuP eher ratlos. Weil es ist zu ernst für Satire, zu verspielt für Politik und zu propagandistisch für Philosophie."

Monat: Januar, 2014

Spektakeltheorie 1.6: Kritik als Theorie und Praxis

1.6 Kritik als Theorie und Praxis

Nun geschieht Marx‘ Untersuchung jedoch im Gegensatz zu anderen Schriften über politische Ökonomie weder zum wissenschaftlichen Selbstzweck noch zu dem der verbesserten Staatsführung. Wissenschaftlich gesehen ist „der letzte Endzweck dieses Werks, das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen“1, die politische Ökonomie bei Marx ist damit Teil einer größeren Theorie über die Gesellschaft insgesamt. Die Fundierung der Gesellschaftstheorie in der Untersuchung der Produktion kann, da sie den materiellen Dingen ein Primat gegenüber den Ideen zur Erklärung des Status Quo einräumt, als das materialistische an der Marxschen Theorie bezeichnet werden.2 Darüber hinaus gibt es jedoch noch ein nicht theorie-immanentes, politisches Ziel:

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Spektakelforschung 1.5: Vom Reichtum zum Leben / Politische Ästhetik

1.4 Vom Reichtum zum Leben

Debord bestimmt im ersten Satz der GdS nun nicht die Erscheinungsform des Reichtums, sondern die des Lebens. Es stellt sich die Frage was Debord unter Leben versteht, findet sich doch keine eingehende Beschreibung oder Definition in der GdS. Dennoch ist es möglich durch Abgrenzungen aufzuzeigen, was Debord im Sinne hat, wenn vom Leben die Rede ist. So wird aus dem Kontext der GdS offensichtlich, dass es sich um keinen medizinischen oder biologischen Begriff handelt. Auch auf einen Begriff des Lebens als eine Art vorsubjektiven blinden Triebs oder wirkenden Willens,1 wie etwa in der so genannten Lebensphilosophie, kommt es Debord nicht an. Ebenso scharf abzugrenzen ist er von einem Begriff des Lebens an sich, unter dessen Interesse sich das Individuum unterzuordnen habe. Vielmehr ist der Begriff des Lebens bei Debord gerade im Individuum verankert. Denn auch wenn „jede individuelle Wirklichkeit gesellschaftlich geworden, direkt von der gesellschaftlichen Macht abhängig und von ihr geformt“ (17,3) ist und in der GdS daher überwiegend das gesellschaftliche und nicht das individuelle Leben untersucht wird, geht es um „[d]as konkrete Leben aller [hvm]“ (19,4). Analog zu Marx könnte auch bei Debord davon gesprochen werden, dass die „Produktions- und Verkehrsverhältnisse“2 nicht der Waren, sondern der Individuen im Fokus des Erkenntnisinteresses stehen.

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Spektakeltheorie Vom Reichtum zum Leben: 1.3 Politische Ökonomie

1.3 Politische Ökonomie
Was geschieht in dem ersten Satz des Kapitals? Marx bestimmt die Erscheinungsform des Reichtums von Gesellschaften mit einer bestimmten, nämlich der kapitalistischen Produktionsweise und zwar als eine Ansammlung von Waren. Diese erste Bestimmung nimmt Marx vor, um von ihr ausgehend seine „Untersuchung“ zu beginnen1, eine Untersuchung die er im Untertitel des Kapitals auch genauer als Kritik der politischen Ökonomie bezeichnet. Was ist nun unter einer solchen zu verstehen?

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Mitteilungen aus dem Institut

psychopathia sexualis revisited

lecture & electronica

am sa, 25.1. ab 21h im zakk (siepfad 11, bremen)

mit sarah lenk, w/monster und horst mirek

pdf

 

Spektakeltheorie: 1. Von der politischen Ökonomie zur politischen Ästhetik

Das ganze Leben der Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen herrschen, erscheint als eine ungeheure Sammlung von Spektakeln. Alles was unmittelbar erlebt wurde, ist in eine Vorstellung entwichen.1

 „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine »ungeheure Warensammlung«, die einzelne Ware als seine Elementarform.“ 2 Den Rest des Beitrags lesen »

Einleitung zur Spektakeltheorie: Abstrakte Titel und Denkbewegungen – Von der Ware zum Spektakel

Die Gesellschaft des Spektakels besteht aus einer Sammlung von insgesamt 221 Thesen die auf insgesamt neun Kapitel verteilt sind. Einige von ihnen bestehen nur aus einem Satz, andere füllen eine halbe Seite. Sie behandeln Themen, die in der aktuellen akademischen Landschaft den verschiedensten Disziplinen zugeordnet werden1. Darüber hinaus formuliert das Buch explizit den Anspruch in der Tradition einer Denklinie von Hegel und Marx zu stehen. Es ist gerade daher angemessen es auf seinen philosophischen Gehalt und von einer philosophischen Perspektive her zu untersuchen, auch wenn der Autor selbst sich nicht als Philosoph verstanden wissen wollte. Aus diesem Grund handelt es sich bei der Gesellschaft des Spektakels auch um ein Buch, dass sich akademischen Standards des Nachweises und der Argumentation durchaus mit Absicht entzieht: Den Rest des Beitrags lesen »

Teil 1 der neuen Serie Spektakelforschung: Der Begriff des Spektakels als ein Phantasma

An dieser Stelle wird im folgenden nach und nach die Untersuchung Von der Ware zum Spektakel – Guy Debord Gesellschaft des Spektakels veröffentlicht werden. Zum Auftakt gibt es, sozusagen als Spannungserzeugenden Cliffhanger das Vorwort.

Was (…) überdauert, ist ihr Wunsch, die Welt zu verändern. Es ist ein offenkundiger und schlichter Wunsch, doch hinter ihm steht eine (…) Story… so komplex wie das Zusammenspiel alltäglicher Gesten, die einem sagen, wie die Welt funktioniert. Der Wunsch beginnt mit dem Anspruch, nicht als Objekt, sondern als Subjekt der Geschichte zu leben, so zu leben, als hänge von dem, was du tust, tatsächlich etwas ab (…) .“1

Roland Barthes benutzt den Begriff des Phantasmas um auf einen subjektiven Grund wissenschaftlicher Untersuchungen hinzuweisen und zwar in Form eines Begehrens. Er beschreibt es als ein „wiederkehrendes Begehren, Bilder, die in uns herumschleichen, einander suchen, manchmal ein ganzes Leben lang, und sich erst bei der Begegnung mit einem bestimmten Wort auskristallisieren.“2

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Einblicke in die Forschung: Subversion und Ausverkauf auf der Höhe der Zeit

Ein kommentiertes Exerpt zum Zeitbegriff in Negt/Kluges Öffentlichkeit und Erfahrung

Die gefundenen Passagen stammen jeweils aus dem Kapitel Der lebensgeschichtliche Aufbau von Erfahrung – unterschiedlicer Zeitduktus der Lernprozesse aus Negt, Kluge, Öffentlichkeit und Erfahrung (1973).

Zu Beginn des Kapitels legen sie zunächst einmal dar was sie unter verschiedenen Zeitrhytmen verstehen und wie sie sich deren Verhältnis zueinander vorstellen:

„Erfahrungen haben einen spezifischen Zeitrhytmus, der nicht nach Belieben verändert werden kann, wenn sie gelingen sollen. Zum Beispiel ist es unmöglich, den in unmittelbaren Aktionen vorherrschenden Zeitrhytmus auf Theoriebildung oder frühkindliche Lernprozesse zu übertragen. Das bedeutet keineswegs, daß diese Zeitrhytmen vollständig voneinander isolierbar sind, im Gegenteil: die dialektische Einheit dieser unterschiedenen Zeitstrukturen ist Voraussetzung des Produktionsbegriffs von gesellschaftlicher Erfahrung. Diese verschiedenen Zeitrhytmen hängen von der Art und Weise ab, in der Erfahrungen von Individuen und Gegenständen gemacht werden, und gehen ihnen gleichzeitig voraus. Hier kann man vom Primat des Objekts sprechen, denn es sind objektive Zusammenhänge, die ganz bestimmte Zeitrhytmen der Erfahrung erforderlich machen.“

Anschließend stellen sie zwei verschiedene Formen von Zeit dar:

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The only good nation is procrastination

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Aus dem Archiv: Ipup präsentiert: Durch die Nacht mit Kemp und Heppeh Gonzo Science oder eine polytoxikomanische Version von durch die Nacht.

Transkription Beginn 5:36

  • H: 23 Uhr und 21 minuten. Es ist schon mehrere Stunden dunkel aber die Nacht beginnt erst jetzt: In der Ipup Laborküche.

  • Gut, das war die erste Frage die ich notiert habe, wann beginnt die Nacht und dass das erste ist, was wir heute Abend herausfinden müssen

  • Beide: Prost.

  • Dann wär die frage damit beantwortet

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